„Die Scham muss die Seiten wechseln.“

Tiroler SPÖ-Frauenvorsitzende NR.in Selma Yildirim zum Start der „16 Tage gegen Gewalt“

Jede dritte Frau in Österreich ist von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen. Auf diese Situation macht Selma Yildirim, Frauenvorsitzende und Nationalrätin der SPÖ Tirol, anlässlich der heute beginnenden „16 Tage gegen Gewalt“ abermals aufmerksam: „26 Femizide, 39 Mordversuche und Fälle schwerer Gewalt an Frauen: Das ist die schockierende Realität in Österreich im Jahr 2024, wo kaum ein Tag vergeht, ohne dass einer Frau Gewalt angetan wird. Tirol ist hier keine Insel der Seeligen. Das zeigten 2023 rund 950 Betretungs- und Annäherungsverbote.“

 

Österreichweite Kampagne der SPÖ-Frauen.

Hilfe und Beratung bieten Gewaltschutzzenren, Frauenhäuser und auch Frauen- und Mädchenberatungsstellen. „Wenn Gewalt droht, ist es unsere gesellschaftliche Pflicht, vor dieser Gewalt zu schützen“, betont Yildirim – und weiter: „Das große Ziel muss sein, Gewalt zu verhindern, bevor sie passiert. Dafür müssen wir das Problem an seinen Wurzeln packen – und dazu zählen auch die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Sie sorgen dafür, dass insbesondere Gewalt in Partnerschaften tabuisiert wird und Frauen oft aus Scham nicht über ihr Leiden reden wollen.“

Deshalb wollen die SPÖ-Frauen umso mehr das Bewusstsein schärfen und Betroffene ermutigen – unter anderem mit Aktionen und Veranstaltungen im Rahmen der österreichweiten SPÖ-Kampagne „Die Scham muss die Seiten wechseln“. Die im Zeitraum der „16 Tage gegen Gewalt“ noch bis 10. Dezember laufende Kampagne bezieht sich dabei auf die Aussage der Französin Gisèle Pelicot – getätigt im Prozess gegen ihren Ehemann Dominique Pelicot, der gestanden hat, seine Frau zwischen 2011 und 2020 immer wieder mit Schlafmitteln betäubt und vergewaltigt zu haben. In mindestens 92 Fällen waren auch fremde Männer beteiligt, 50 von ihnen konnten identifiziert werden und sind mitangeklagt. „Die Aussagen von Gisèle Pelicot sind deswegen so bemerkenswert, weil sie öffentlich macht, was ihr angetan wurde, weil sie ihr Gesicht zeigt, sich als Opfer nicht versteckt. Damit macht sie anderen Frauen Mut“, würdigt die Tiroler SPÖ-Frauenvorsitzende und erklärt: „Die Kampagne der SPÖ-Frauen ,Die Scham muss die Seiten wechseln‘ soll dazu beitragen, den Fokus auf die Täter und ihre Schuld zu legen. Dabei wollen wir auch aufzeigen, dass die Gewalt nicht erst mit Mord beginnt. Es sind auch die sexistischen Witze, die frauenfeindliche Sprache, veraltete Geschlechterklischees, sexuelle Belästigung und der Hass im Netz, die das Feld bereiten, in dem die Gewalt gedeiht – mit tödlichen Konsequenzen.“

 

Nationaler Aktionsplan Gewaltschutz.

Gewalt trifft Frauen jeden Alters, unabhängig von Herkunft, Religion und sozialem Hintergrund. „Gewalt geht uns alle an und es liegt an uns allen, sie zu beenden. Frühestmögliche Prävention ist hier besonders wichtig – genauso wie die Vermittlung eines positiven Buben- und Männerbilds, um starre Rollenbilder und patriarchale Strukturen zu durchbrechen“, so Yildirim. Dafür brauche es eine kluge Gesamtstrategie, wie sie die SPÖ-Frauen mit ihrer Forderung nach einem Nationalen Aktionsplan Gewaltschutz vorgelegt haben. Dabei sollen neben der akuten Prävention auch langfristige Maßnahmen, aber auch Synergien zwischen den Ministerien für den Schutz vor Gewalt gesetzt werden – beispielsweise in den Bereichen Bildung, Gleichstellung und Integration.

 

Zahlen, Daten, Fakten zur Situation in Österreich:

  • In Österreich ist jede dritte Frau von körperlicher und/oder sexueller Gewalt innerhalb oder außerhalb von intimen Beziehungen (erlebt ab dem Alter von 15 Jahren) betroffen – laut Statistik sind es nahezu 35% der weiblichen Bevölkerung. (Quelle: Statistik Austria, 2021)
  • Mehr als jede vierte Frau musste eine Form von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz erfahren (26,59%).
  • Mehr als jede fünfte Frau ist von Stalking betroffen (21,88%).
  • 2023 gab es 15.191 Betretungs- und Annäherungsverbote in Österreich. (Quelle: Gewaltschutzzentren, Tätigkeitsberichte 2023)

Quelle: Autonome Österreichische Frauenhäuser, Gewaltschutzzentren Österreich

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